Prachtfinkenzucht von Thomas Schwab AZ 39026
Prachtfinkenzucht von Thomas Schwab   AZ 39026

Aktuelles

Ergebnis unserer

VKV Vereinsschau 2018

www.vogelzüchter-vorarlberg.at

AZ Bundesschau 2018

Beginn: 24.11.2018
Ende: : 25.11.2018
Strasse: : Damaschkestraße 55
Halle: : Messehalle
PLZ: : 34121
Ort: : Kassel
Samstag: : 09:00 - 18:00 Uhr
Sonntag: : 09:00 - 15:00 Uhr

Siegerliste Exoten Europaschau 2018

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Zuletzt aktualisiert:

29. Oktober 2018

Schönbürzel (Estrilda caerulescens)

Im August 2013 kaufte ich mir 7 Schönbürzel. Wie sich dann später herausstellte waren es 6 Weibchen und 1 Männchen. Aber das eine Paar fing gleich mal mit dem Nestbau an und ein paar Wochen später schlüpften auch schon die ersten 2 Jungen. So was nennt man Anfängerglück!!

Allgemeines

Schönbürzel sind afrikanische Prachtfinken die friedfertig sind und daher gut für eine Gemeinschaftsvoliere geeignet. Es gibt drei Arten:

1. Cinderella-Schönbürzel (Glaucestrilda thomensis)

2. Schwarzschwanz-Schönbürzel (Glaucestrilda perreini) und das

3. Schönbürzel (Rotschwanz-Schönbürzel) (Glaucestrilda caerulescens).
  
Nach dem Einfuhrverbot sind Schönbürzel eher selten geworden bei uns Züchtern. Was sich auch im Preis wiederspiegelt. Aber in letzter Zeit werden doch wieder öfters Vögel angeboten. Was die Hoffnung gibt das dieser Afrikaner doch nicht ganz aus unseren Anlagen verschwindet.


Verbreitung — Lebensraum
Der Rotschwanz-Schönbürzel oder Schönbürzel, wie er jetzt heißt, bewohnt West-Afrika von Senegal bis Kamerun. Er fühlt sich im offenem Gelände wohl, wo er sich hauptsächlich in dichten Sträuchern und für die Nahrungssuche im hohen Gras aufhält.

Kennzeichen
Die drei verwandten Arten sind mit der Länge von elf Zentimeter bis auf wenige Millimeter gleich groß. Der Schönbürzel ist an sich graublau, hat aber eine dunkler werdende Unterseite. Ebenso dunkel sind die Flanken, enden aber mit ein paar weißen Pünktchen. Wangen und Kehle sind heller. Vom schwarzroten Schnabel geht ein schwarzer Augenstreif durch das braune Auge und endet kurz dahinter. Bürzel und Schwanz sind karminrot. Die Füße sind dunkel. Die Geschlechter gleichen sich und sie sind nur an den Rufen zu erkennen. Während die Männchen ein „Sieh-tüii“ rufen, antworten die Weibchen mit „Sie-sieh“ oder „Sie-sie“. Im Jugendkleid ist ihr Gefieder dunkelgrau und das Rot des Bürzels matt. Die Nestlinge zeigen bläulichweiße Schnabelpapillen.
 
Stimme
Der Gesang des Schönbürzels besteht aus zwei Tönen, einem kurzen, hohen „Sieh“, dem ein tiefes, gedehntes „Tüii“ folgt. Mit diesen Tönen antwortet das Männchen auch auf den Ruf des Weibchens. Das Nestlocken ist ein leises „Sieh-tüii- sieh-tüiisieh-tüii“. Ansonsten ruft er kurz und hoch ein „Sii“ und ist er ängstlich erregt ein lautes und langgezogenes „Sieh“. Während die Männchen ein „Sieh-tüii“ rufen, antworten die Weibchen mit „Sie-sieh“ oder „Sie-sie“. Natürlich auch umgekehrt, ruft das Weibchen seinen zwei- oder dreisilbigen Lockruf, welcher wie „Sie-sieh-sie-sieh“ klingt, so antwortet das Männchen mit seiner Strophe „Sieh-tüii-sieh-tüii-sieh-tüii“.
 
Verhalten
Schönbürzel sind sehr agile Vögel und gerade in einer Voliere sind sie ständig in Bewegung. Nach der Eingewöhnung sind sie nicht scheu, sondern sehr neugierig und achten ganz genau darauf was der Pfleger macht. Selbst in einer Gesellschaftsvoliere mit 20 bis 30 verschiedenen Vögeln merken sie direkt, wenn ein Neuzugang erfolgte und besehen ihn von allen Seiten. Sie kennen also jeden Insassen der Voliere. Sie sitzen nie gelangweilt herum.

Unterbringung
Schönbürzel müssen eingewöhnt werden, denn bei den meisten Schönbürzelchen vom Händler handelt es sich um frisch importierte. Gezüchtete Schönbürzel gehen gar nicht erst in den Handel, sondern werden unter den Züchtern weitergereicht. Der Transport führt mitunter dazu, dass sich die Vögel dann gegenseitig die Federn ausreißen, und die Folge dürfte eine Erkältung sein. Das Federrupfen hört bei der Eingewöhnung auf, weil kein Druck und Stress mehr vorhanden sind. Damit die Federn schnell nachwachsen muss auch Lebendfutter gereicht werden. Auf keinen Fall ist in den ersten Tagen der Kamillentee zu vergessen, welcher anstelle von Trinkwasser gereicht wird. Hiervon wird der ganze Verdauungsapparat beruhigt. Sie sollten bei mindestens 24 bis 28 0C, besser ist es bei 30 0C eingewöhnt werden. Danach kann die Temperatur durchaus auf 24 0C abgesenkt werden. Fühlen sich die Vögel nicht wohl, man sieht ihr Unwohlsein schon am leichten Sträuben des Gefieders, so muss die Temperatur sofort erhöht werden, denn sonst folgen Verdauungsstörungen oder noch andere Folgeerscheinungen und zum Schluss steht der Tod. Sind die Schönbürzel erst einmal bei erhöhter Temperatur eingewöhnt und zusätzlich mit tierischer Nahrung versorgt worden, so sind sie munter und fidel und man möchte sie nicht mehr missen. Cinderella-Schönbürzel sind nach dem Import nicht ganz so empfindlich wie die Schwarzschwanz-Schönbürzel und diese nicht ganz so wie die Schönbürzel.
Wegen der bei uns zu schlechten Wetterbedingungen sind Schönbürzel in einer Innenvoliere zu halten. Schönbürzel sollten paarweise eingesetzt sein. Sie können mit anderen Prachtfinken vergesellschaftet werden. Wer aber Nachwuchs von seinen Schönbürzeln erwartet, sollte sie allein unterbringen. Die Voliere sollte im oberen Bereich mit dicht verzweigten Ästen ausgestattet sein, um ihren Bewegungsdrang entgegenzukommen. Ein Korkenzieherbaselstrauch mit seinen dünnen gewundenen Astchen erfüllt diesen Zweck sehr gut. Zusätzlich erfüllen aufrecht gestellte Zweige unseres heimischen Stechginsters den gleichen Zweck. Auf dem Sandboden werden regelmäßig vermoderte Aste oder Stubben gelegt. Sie werden von den Vögeln so abgearbeitet, das nur noch das feste Holz übrigbleibt, welches dann wieder ausgetauscht wird. Schönbürzel baden mehrmals am Tage, also muss eine Badegelegenheit vorhanden sein. Badehäuschen werden 2 x am Tag für jeweils eine Stunde gereicht. Für Trinkwasser sollte eine nur für diesen Zweck geeignete Tränke vorhanden sein. Von Anfang an brauchen unsere Schönbürzel, da sie Nestschläfer sind, ein paar Nester. Hier bieten sich leere gebrauchte Nester an, die aber frei von Ungeziefer sein sollten oder Kaisernester. Diese werden so bebaut, dass die Eingangsröhre vorne liegt.
Die Erstzucht des Schönbürzels steht K. Ruß im 18. Jahrhundert zu und wurde 1887 in „Fremdländische Stubenvögel“ veröffentlicht.

Fortpflanzung
Die Geschlechtsreife bei den Schönbürzeln tritt im 1. Lebensjahr ein. Sie führen eine Dauerehe. Sie brüten nicht so häufig. Die Paare müssen sich selber finden, hat es dann Junge großgezogen, so gelingen die nächsten Bruten. Vorausgesetzt natürlich, nur wenn die Unterkunft und die Fütterung o. k. sind.

Paarbildung - Balz
Das Männchen führt uns eine gute Halmbalz vor. Es nimmt einen langen Grashalm oder eine Hirserispe und unter Singen hüpft er damit herum. Kennen sich die Vögel noch nicht, so setzen sie sich parallel nebeneinander Kopf zu Kopf und Schwanz zu Schwanz ausgerichtet. Dabei sind die Federn von Nacken, Bauch und Bürzel gesträubt und die Federn der Stirn glatt angelegt. So nicken sie sich abwechselnd zu.
Die eigentliche Begattung hat mit der Balz nichts zu tun, da sie ohne jegliche Auffälligkeiten erfolgt. Nehmen wir das gegenseitige Gefiederkraulen: Plötzlich zeigt das Weibchen das übliche Schwanzflirren, geht in die Hocke und fordert leise das Männchen zur Kopula auf. Diese erfolgt dann umgehend durch das Männchen.

Nest
Das Nest wird wenn es geht im Gezweig der Voliere gebaut oder sie nehmen eine Nisthilfe an wie ein altes Nest, halboffener Nistkasten, aber auch ein Kaisernest. Diese werden dann nur noch ausgebaut.

Ei — Gelege
Ein Gelege besteht aus vier bis fünf weißen Eiern. Sie werden täglich gelegt. Mit der Ablage des 4. Eies beginnt die l5tägige Bebrütung durch beide Partner. Zur Brutablösung sind beide Partner kurz im Nest zusammen. Kontrollen sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Das Risiko ist groß, dass Gelege oder Junge verlassen werden. Der Züchter kann durch Beobachtung alles Wichtige erfahren und geht etwas schief, so bemerkt man es zwangsläufig. Meistens kann dann doch keine Abhilfe erfolgen weil es zu spät ist.

Schlupf - Aufzucht
Die frischgeschlüpften Jungen sind fleischfarben, werden aber nach ein paar Tagen dunkel. Bis zum 7. Tag werden sie gehudert. Ab sofort schlafen die Eltern nicht mehr im Nest, sondern außerhalb auf einem Ast. Nach einer Woche sind die Jungen laut zu hören. Sie verlassen das Nest im Alter von drei Wochen, kehren zum Nächtigen noch eine Woche zurück, schlafen dann aber auf einem Ast. Sie können schon geschickt durch das Gezweig schlüpfen. Sehr interessant ist es eine Fütterung der Jungen außerhalb des Nestes zu sehen. Sie verdrehen dann unter ziemlichem Geschrei Hals und Kopf. Zwei bis drei Tage später beginnen sie schon selber Futter aufzunehmen. Zwei Wochen nach dem Ausfliegen sind sie selbständig und sollten von den Eltern getrennt werden um die Folgebrut nicht zu gefährden. Die Altvögel beginnen meist schon nach dem Ausfliegen der Jungen mit dem neuen Nest.

Mauser
Im Alter von vier bis sechs Wochen beginnt die Mauser für das Alterskleid. Anschließend gleichen sich Alt und Jung. In dieser Zeit färbt sich auch der Schnabel. Während der Mauser sollten keine plötzlichen Störungen oder Temperaturstürze auf die Jungen einwirken, da es schnell zu einer Schreck- oder Stockmauser kommen kann.

Ernährung
Die Schönbürzel fliegen in Freiland zu mehreren Dutzend Artgenossen und auch anderen Prachtfinkenarten, wie Grauastrilden oder Schmetterlingsastrilden, zur Nahrungssuche. In Büschen oder auch auf dem Boden suchen sie Insekten und Grassämereien. Hierbei klettern sie geschickt im Gebüsch oder an den samentragenden Gräsern herum.
Wir gestalten ihnen in Menschenobhut so gut es geht auch etwas Abwechslung. Ganzjährig zur freien Verfügung ein kleinkörniges Hirsegemisch und ein Hänflings-Girlitz-Futter mit sehr viel Grassamen. Im Winter bekommen sie trockene Wildkräutersämereien. Im Sommer werden täglich Wildkräuter frisch und halb- bzw. reif gepflückt und zu Sträußen gebunden an der Volierendecke befestigt. Die Samen stammen von verschiedenen Gräsern, Hirtentäschel, Löwenzahn, Miere und Nachtkerze. Keimfutter wird auch gerne aufgenommen. Während der Mauser und auch im Winter wird sehr viel Gurke mit ihren Mineralien und ab und an ein Stück Apfel gegeben. Im Frühling bieten Obst- oder Nadelbaumzweige mit Knospen und Ausläufern eine gute Abwechslung. An Lebendfutter kann alles gegeben werden was man so mit einem Kescher fangen kann, selbst Wasserflöhe und Mückenlarven. Für die Aufzucht der Jungen gibt man an den ersten Tagen Ameisenpuppen, Blattläuse, Enchyträen usw. Sind die Jungen größer so wird von den Eltern Wiesenplankton, frischgehäutete Mehlkäferlarven, Pinkys und Wachsmotten gefüttert. Auch zur freien Aufnahme steht immer ein Gemisch aus Walderde, Grit und Kohle. In der Woche werden 2 x entweder im Wasser oder am Lebendfütter Vitamine gereicht. Eifutter wurde nicht beachtet.

Ausklang
Schönbürzel sind empfindlicher und hinfälliger als andere Prachtfinken. Sie sollten mit erhöhter Temperatur und mit Lebendfutter sorgfältig eingewöhnt werden, danach haben sie es geschafft nicht mehr so empfindlich zu sein. Wer sie einmal hatte, der möchte sie nicht mehr missen. Die Zucht gehört noch nicht zum Alltäglichem, deshalb sollte jeder der es geschafft hat ein wenig stolz sein.

 

(Quelle: AZ-Nachrichten 08/2002)

 

 

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